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Die Stadt Uster verwendet QGIS seit 2007. Gestützt auf die Entscheidung des Kantons Solothurn QGIS als Desktop GIS Ersatz für ArcView einzusetzen, hat sich Uster ebenfalls entschieden diesen Schritt zu wagen. Uster schloss sich den Weiterentwicklungsbemühungen der QGIS Applikation an, indem neue Programmerweiterungen vorgeschlagen, getestet und mitfinanziert wurden. Im Gegensatz erhält Uster eine sich schnell entwickelnde und betriebssystem-unabhängige Desktop-GIS und Webgis-Lösung, getragen und unterstützt von einer weltweiten Nutzer- und Entwicklergemeinschaft.
Als zentrale Geodatenbank wird PostgreSQL mit der räumlichen Erweiterung Postgis verwendet. Daten aus anderen Datenbanken und sonstigen Datenquellen werden regelmässig mit der zentralen Geodatenbank abgeglichen. Dabei kommen Werkzeuge wie OGR (GDAL) und FME zum Einsatz. Zu Beginn wurde QGIS vor allem als Betrachter-Software eingesetzt. Der erste QGIS-Anwender war ein Landwirt, der die Aufgabe hatte die Deklarationen der lokalen Landwirte bezüglich Landwirtschaftssubventionen zu kontrollieren. Ausgerüstet mit Luftbildern, aktuellen Vermessungsdaten, Such- und Messwerkzeugen konnte er dieser Aufgabe nachgehen. Später wurde QGIS auch als Erfassungswerkzeug und für die Kartenproduktion eingesetzt. Dies wurde möglich durch die damals erfolgten Verbesserungen der Digitalisierwerkzeuge und der Kartenlayoutwerkzeuge (Print Composer). Zusammen mit anderen schweizerischen QGIS-Anwendern (Solothurn, Thun und CDE (Universität Bern)) wird die Weiterentwicklung der genannten Werkzeuge koordiniert und finanziert. Weitere Verbesserungen fanden in den Bereichen datengestützte Kartensymbolisierung, automatische Schriftplatzierung, Attributdatenmanagement und Formulare statt.
Die Stadtverwaltung Uster verwendet auch kommerzielle GIS software: Autodesk Topobase für die Erfassung und Pflege der Vermessungs- und Abwasserdaten, sowie GE Smallworld für die GIS-gestützte Dokumentation der Versorgungsleitungen (Gas, Wasser, Elektro). Beides sind jedoch Expertensysteme die nur von speziell ausgebildeten Operateuren bedient werden können, nach entsprechendem Training. Alle anderen Themen, Gelegenheits GIS-Anwender und die Betrachtung sämtlicher Geodaten erfolgt jedoch über QGIS.
In der zweiten Hälfte von 2010 wurden erste Tests mit QGIS Server durchgeführt. In 2011 wurde ein neues Webgis-System auf Basis von QGIS WMS server und GeoExt/OpenLayers als Webgis-Client eingeführt. Die Hauptgründe auch im Bereich Webgis auf QGIS zu setzen waren:
- beträchtliche Zeiteinsparungen bei der Pflege der Projektkonfigurationen durch die durchgängige Verwendung der gleichen Projekte im Desktop- und Webbereich
- Möglichkeit der Verwendung von komplexen Symbolisierungsregeln
- Möglichkeit der Verwendung von automatischer Beschriftung
- Konsistentes Rendering für Desktop-GIS und Web-GIS
Der QGIS Webclient kann unter http://gis.uster.ch/ ausprobiert werden.
Heute wird QGIS in den folgenden GIS-Projekten eingesetzt:
- Betrachter für Abwasserdaten (Werkpläne) mit Integration von Dataver Abwasser und Direktzugriff auf Kanalvideos und Inspektionsprotokolle
- Betrachter und Editor für die Planung und Zielüberwachung der Stadtentwässerung (Genereller Entwässerungsplan)
- Betrachter für den zusammengeführten Leitungskataster (die Daten werden von drei verschiedenen Organisationen in drei verschiedenen GIS-Systemen erfasst). Derzeit können die Themen Abwasser, Wasser, Gas und Elektro eingesehen werden. Die Integration von Telekommunikationsleitungen ist geplant.
- Betrachter für Kataster- und Vermessungsdaten
- Betrachter und Editor für das kommunale Naturschutzinventar
- Betrachter und teilweise Editor für Daten der Stadt- und Regionalplanung (z.B. Zonenplan, Nutzungsplanung)
- Betrachter und Editor für die Strassenzustandserhebung (zusammen mit Dataver Street)
- Betrachter für Statistiken die direkt aus dem Register den Einwohnerkontrolle generiert werden
- Visualisierung des Energieplanes (Versorgungsflächen für Gas, Holzfeuerung, Abwasserwärme, Erdwärmesonden, Blockheizkraftwerke)
Weitere Projekte sind derzeit in Entwicklung.
Im Jahr 2007 war es noch nicht vollständig klar mit welcher Geschwindigkeit sich QGIS weiterentwickeln würde und wie gut der kommerzielle Support wäre. Heute kann gesagt werden dass die Erwartungen hinsichtlich Weiterentwicklung und Qualität des Supports (durch die QGIS-Gemeinschaft und durch kommerzielle Dienstleister) übertroffen wurden. Kommerzieller Support wird von den Firmen Sourcepole (Schweiz) und Norbit (Deutschland) in Anspruch genommen. Beider Firmen stellen Kernentwickler des QGIS-Projekts die den Quellcode und das Projekt sehr gut kennen. Es ist ein direkter Zugriff auf die Entwickler möglich, ohne durch eine komplexe Betriebsorganisation (Supportabteilung, Produktmanagement, Verkaufsabteilung) abgeschirmt zu werden.
Fehler im Programm werden sehr schnell behoben, oft innerhalb von Stunden oder Tagen. Neue Entwicklungen können sofort getestet werden, ohne zuerst einen neuen Release abwarten zu müssen. So können die Neuentwicklungen nach internen Tests bei zufriedenstellender Qualität zügiger bis zu den Endanwendern gebracht werden als bei kommerzieller Software. Die Stadt Uster geniesst die Möglichkeit das QGIS Projekt zu beeinflussen und die Software auf beliebig vielen Rechnern ohne Einschränkungen nutzen und anpassen zu dürfen. Wir freuen uns auf die zukünftige gemeinsame Zusammenarbeit mit der QGIS Gemeinschaft und den kommerziellen Supportern um das Projekt gemeinsam weiterzuentwickeln.
Author
Dieser Beitrag stammt von Dr. Andreas Neumann, geschrieben im April 2011. Er ist Leiter des GIS-Kompetenzzentrums der Stadt Uster, Schweiz.
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